Unser Dorf :: Historisches
Wilhelmsaue ist vor fast 250 Jahren als Vorwerk des königlichen Amtes Wollup im Zuge der Erschließung des Oderbruchs entstanden und war bis 1974 eine selbstständige Gemeinde. Zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Staatsdomäne Wollup sollten zwei Vorwerke angelegt werden, und zwar Wilhelmsaue und Kienitz. 1722 begann die Rodung von Strauch und Buschwerk im vorgesehenen Gelände von Wilhelmsaue. Der Aufbau des Vorwerkes erstreckte sich über die Jahre 1724 bis 1726. Da zu diesem Zeitpunkt noch nicht trockengelegt war, mussten zum Schutz des Vorwerkes Gräben und Dämme ausgehoben werden, so dass aus Kostengründen die räumliche Ausdehnung des Vorwerkes schon recht beschränkt blieb. Trotz aller Vorkehrungen wurde das Terrain 1730 und 1736 überschwemmt und bei einem Dammbruch am 20. Mai stand auch das Amtsvorwerk Wilhelmsaue unter Wasser. Der ehemalige Pfarrer und preußische Kammerrat Friedrich Wilhelm Noeldechen schlug vor, die Vorwerke zu parzellieren und die von den Untertanen nur widerwillig ausgeführte Fronarbeit in interessantere Tagelöhnerarbeit umzuwandeln. Dem Antrag wurde zugestimmt und Noeldechen nahm die Aufgabe in Angriff.

Zur Eigenversorgung mit Baumaterial ließ er eine Ziegelei errichten, teilte 2370 Morgen in 53 Baustellen auf und übernahm selbst eine. Viele Siedler kamen aus den Rheinprovinzen. 1796 waren noch einige Hofstellen unbesetzt, das Schul und Bethaus noch nicht errichtet. Durch weitere "Fördermaßnahmen" des preußischen Staates wurde Wilhelmsaue ein selbständiges, lebendiges Dorf mit Kirche Schule, Gasthof, Schmiede, Bockwindmühle und dem Müllerhaus.

Wilhelmsaue blieb vor weiterer Zerstörung durch Krieg und Hochwasser nicht verschont. Während der schweren Kriegshandlungen im April 1945 wurden viele Gehöfte zerstört. Das Hochwasser im Jahre `47 war für viele Menschen im Oderbruch ein nächster schwerer Schlag. Für die meisten Menschen bedeutete das abermals einen Neuanfang. Der drohenden Hochwasserkatastrophe im Jahre 1997 sind die Menschen im Oderbruch nur knapp entgangen. Hunderte Helfer und Soldaten der Bundeswehr "stemmten" sich tagelang gegen den Deich und verhinderten heroisch ein Durchbrechen des Oderflusses und damit eine Katastrophe, die für das Oderbruch schlimmste Folgen gehabt hätte.

Der Boden ist sehr fruchtbar und brachte schon immer gute Erträge. Im Volksmund wurde das Oderbruch der "Gemüsegarten" Berlins genannt. Zu DDR - Zeiten war dann auch die Landwirtschaft Haupterwerbsquelle für die Bevölkerung. Allerdings wurde in dieser Zeit von staatlicher Seite das Oderbruch vernachlässigt. Auch Wilhelmsaue versank mehr und mehr in den Dornröschenschlaf, bis im Jahre 1990 ein neu gegründeter Verein das Dörfchen Wilhelmsaue wachküsste. Was folgt, ist allerdings kein Märchen.

Lageplan - Wilhemsaue 1920
Lageplan - Wilhemsaue 1920